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01 Das Dreisäulen-Modell der Nachhaltigkeit: Revision

Zuletzt aktualisiert am von Manfred

Liest frau/man(n) die Beschreibung, die Kritikpunkte und die Beschreibung der Fortentwicklung des Dreisäulen-Modells der Nachhaltigkeit bei Wikipedia durch, bekommt man den Eindruck, dass es sich um ein Modell handelt, das unzureichend und skeptisch zu betrachten ist. Dennoch, "Das Dreisäulenmodell hat sich sowohl bei vielen Akteuren  (Politik, Unternehmen, Beratern, etc.)  als auch in zahlreichen Nachhaltigkeitsdefinitionen, -konzepten und -theorien durchgesetzt. [16]

Schauen wir uns  die Kritikpunkte im einzelnen an, stellen wir fest, dass sie unangebracht oder gegenstandslos sind.

Operationalisierbarkeit

Wikipedia: 

Das Drei-Säulen-Modell ist in der Fachwelt umstritten. Kritiker bemängeln vor allem, dass es sich schlecht operationalisieren lasse und sich aus ihm kaum praktische Konsequenzen ableiten ließen. So hat sich die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages nicht festgelegt, ob das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung weiterhin vorrangig der Erhaltung von Naturkapital dient oder diese langfristigen Ziele immer an tatsächlich machbare kurzfristige Ziele gekoppelt sind, um so das gegenwärtige Entwicklungsmodell zu erhalten.[6]

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) sprach in seinem Gutachten 2002 dem Drei-Säulen-Modell die Orientierungsfunktion ab, weil es zu einem dreispaltigen Wunschzettel verkomme, in das jeder Akteur seine Anliegen eintragen könne. Dies führe aber zu einer „Hyperkomplexität, die das arbeitsteilige politische System überfordert“.[11]

WikiWelfare:

Das stimmt natürlich was in Wikipedia an Kritik geäußert wird, wenn frau/man das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit ohne ein konkretes Rechenmodell betrachtet.
Verwendet man ein Reuleaux-Diagramm dessen gleich große Kreise, mit dem halben Radius eines gleichseitigen Dreiecks, deren Mittelpunkt auf den Spitzen des Dreiecks platziert sind, dann lässt sich die Nachhaltigkeit als Schnittenge aller drei Kreise sehr einfach berechnen und auch die Verteilung intuitiv visuell feststellen.

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Die Berechnung und Darstellung der Nachhaltigkeit mit dem Reuleaux-Diagramm und des Fragebogens der Gemeinwohlmatrix ist nicht "hyperkomplex" und das politische System wird nicht bei der Anwendung überfordert werden. 



Unklare Gewichtung in der Zielsetzung: Starke und schwache Nachhaltigkeit

Wikipedia: 

Aus Sicht vieler Kritiker beschreibt das Modell die ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit als einander gleichrangig; tatsächlich dagegen müsse das Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit Vorrang genießen, da der Schutz der natürlichen Lebensbedingungen die Grundvoraussetzung auch für ökonomische und soziale Stabilität sei.

Die wissenschaftliche Nachhaltigkeitsdiskussion unterscheidet in dem Zusammenhang zwischen „schwacher“ und „starker“ Nachhaltigkeit. „Schwache Nachhaltigkeit“ bezeichnet die Vorstellung, dass sich ökologische, ökonomische und soziale Ressourcen gegeneinander aufwiegen lassen. So wäre es im Rahmen schwacher Nachhaltigkeit zum Beispiel akzeptabel, dass Naturressourcen und damit Naturkapital erschöpft würden, wenn dem dafür angemessene Mengen an geschaffenem Humankapital oder Sachkapitalgegenüberstehen. Ökonomie und Ökologie sind hier gleichrangig.

Starke Nachhaltigkeit bedeutet, dass Naturkapital nur sehr beschränkt bzw. gar nicht ersetzbar durch Human- oder Sachkapital ist. Diesem Ansatz entspricht z.B. das Umweltraum-Konzept, der bekannte ökologische Fußabdruck oder das „Leitplankenmodell“. Ihm zufolge bilden die ökologischen Parameter, die langfristig stabile Lebensbedingungen auf der Erde sichern, einen Entwicklungskorridor, der unbedingt zu beachten ist. Nur innerhalb dieses Korridors besteht ein Spielraum zur Umsetzung wirtschaftlicher und sozialer Ziele.

Aus Sicht von Kritikern redet das Drei-Säulen-Modell einer schwachen nachhaltigen Entwicklung das Wort. So kritisiert der Sachverständigenrat, dass das Drei-Säulen-Modell die wechselseitige Integration von ökonomischen, ökologischen und sozialen Belangen fordere. Es stehe somit im Widerspruch zum sogenannten Querschnittprinzip der Umweltpolitik, das auch im Vertrag von Amsterdam verankert wurde und das zunächst die Integration von Umweltbelangen in alle Politikbereiche fordere.[11][12]

Der SRU empfahl daher 2002 den Abschied vom Drei-Säulen-Modell und stattdessen das „besser handhabbare“ Prinzip der Integration der Umweltbelange zu verwenden. Dieses trage der Tatsache Rechnung, dass im Umweltschutz im Vergleich zur Umsetzung ökonomischer und sozialer Ziele der größte Nachholbedarf bestehe und im Hinblick auf die langfristige Stabilisierung der ökologischen Grundlagen die größten Defizite vorlägen.[11]

Der SRU kritisierte auch, dass die isolierte Anwendung des Nachhaltigkeitsbegriffs auf die Teilbereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales die Vorstellung weckten, dass sich ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit unabhängig voneinander realisieren ließen und so die integrative Funktion der Nachhaltigkeitsidee untergraben werde (vgl. SRU 1994, Tz. 19).

 

WikiWelfare:

Starke und schwache Nachhaltigkeit lässt sich mit dem Reuleaux Diagramm intuitiv und rechnerisch Darstellen.

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Fehlende globale Dimension

WikiPedia:

Im Rahmen einer Studie des Forschungszentrums Karlsruhe wurde das Konzept der Enquete-Kommission ergänzt:

„Im Gegensatz zu dem von vornherein auf Deutschland beschränkten Operationalisierungsansatz der Enquete-Kommission wird im HGF-Projekt zunächst versucht, Mindestvoraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung zu formulieren, die unabhängig vom nationalen Kontext sind. Da diese Mindestbedingungen globalisierbar sein sollen, müssen sie konsequenterweise beiden Zielsetzungen des Leitbilds, also sowohl der Bestandserhaltungs- wie der Entwicklungsperspektive Rechnung tragen“[13]

WikiWelfare:

Die "fehlende globale Dimension" ist kein Kritikpunkt der dem Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit reklamiert wird, sondern ist die allgemeine Kritik an fehlenden Regeln für eine zukunftsfähige Entwicklung, wobei die Verfasser ergänzen: "Wir benutzen im folgenden in Einklang mit der herrschenden Sprechweise ebenfalls den Begriff „Regel“, obwohl unserer Ansicht nach der Begriff „Handlungsmaxime“ oder „Leitlinie“
zutreffender wäre. [26] Seite 74
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Schauen wir was die Verfasser des Berichts unter "globale Dimension" verstehen.

Es heisst in dem Bericht (Seite 165): "Eine wesentliche Frage für einen Prozeß zukunftsfähiger Entwicklung ist,
nach welchen Verfahrensregelungen kollektive Entscheidungen gefunden werden, wie offen oder geschlossen der Kreis der an unterschiedlichen Arten von Entscheidungen Beteiligten gestaltet wird und wie symmetrisch bzw. hierarchischdie Relationen zwischen den Akteuren festgelegt werden. Wie können die einzelnen Akteure über ein kommunikatives Vorgehen die Festlegung auf ihre Binnenrationalität überwinden und Anschlüsse zu anderen
gesellschaftlichen Teilsystemen herstellen, damit eine breite diskursive Öffentlichkeit zum Thema Nachhaltigkeit entsteht? Welche Funktion gewinnt Öffentlichkeit in einem grundsätzlich für Individuen und kollektive Akteure offenen, symmetrischen gesellschaftlichen Diskurs, der traditionelle Ausgrenzungen vermeidet?
Diese Probleme werden ganz besonders deutlich, wenn man die globale Dimension berücksichtigt, die alle Strategien zukunftsfähiger Entwicklung bestimmt. In diesem Zusammenhang spielt der Begriff „Global Governance“ in letzter Zeit eine wichtige Rolle. Er läßt sich als „Weltordnungspolitik“ in einem weiteren Sinne übersetzen und meint weder die hierarchische Steuerung der Weltgesellschaft durch eine Weltregierung, noch einfach die Summe der Aktivitäten von Nationalstaaten. Weltordnungspolitik bezeichnet vielmehr das
Zusammenwirken von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren von der lokalen bis zur globalen Ebene.
Zu klären wäre somit, wie die institutionell-politische Dimension der Weltordnungspolitik, verstanden als Mehrebenenpolitik, unter den Bedingungen von Globalisierung im Rahmen einer Politik, die zukunftsfähige Entwicklung anstrebt, aussehen müßte."

Grundsätzliche Kritik am Nachhaltigkeitsdiskurs

Wikipedia:

Generell handelt Nachhaltigkeit davon, dass menschliches Handeln stärker nicht nur auf Generationengerechtigkeit, sondern auch auf globale Gerechtigkeit hin auszuweiten. Ob es angesichts dieser Ausrichtung wirklich angebracht ist, von "drei Säulen" zu sprechen (und ob nicht wesentliche Teile der "wirtschaftlichen" und "sozialen" Seite gar nichts mit Nachhaltigkeit zu tun haben), ist dabei nicht der einzige strittige Punkt. Ebenso wird der gängigen Debatte vorgeworfen, sie blende zu sehr die Hintergrundfrage aus, warum überhaupt künftige Generationen sowie Menschen in anderen Erdteilen stärker Beachtung finden sollten.

Wikiwelfare:

???


Fortbestehende Basis

Wikipedia:

Trotz der vielfachen Kritik am Drei-Säulen-Modell konnte sich bislang kein anderes Modell durchsetzen. In fast allen Definitionen einer Nachhaltigen Entwicklung sind die drei Säulen sowie die inter- und intragenerationelle Gerechtigkeit der größte gemeinsame Nenner.[3] Auch viele bedeutende Umsetzungen zielen auf die drei Säulen ab, beispielsweise die Weltgemeinschaft mit Punkt I.2[14] des Johannesburg-Implementierungsplans (Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung) oder die Europäische Gemeinschaft in Art. 1 des EG-Vertrags (Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft). Somit ist festzuhalten, dass die drei Säulen immer noch einen wichtigen Ausgangspunkt vieler Nachhaltigkeits-Diskussionen darstellen, da sie pragmatisch sind und großen Konsens als magisches Zielbündel einer Nachhaltigen Entwicklung finden. Die Ziele sollen hierbei gemäß der Johannesburg-Konferenz (Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung) stets Säulen sein, die zwar unabhängig sind, sich jedoch gegenseitig unterstützen (engl: „interdependent and mutually reinforcing pillars“).[15]

WikiWelfare:

Die drei Bereiche Mensch, Umwelt, Wirtschaft sind existenziell für eine nachhaltige Entwicklung.

Quellen

  1. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Nachhaltigkeit, Der aktuelle Begriff 06/2004, 6. April 2004 (PDF-Datei; 101 kB)
  2. Abschlußbericht der Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt -- Ziele und Rahmenbedingungen einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung“ Deutscher Bundestag: Drucksache 13/11200 vom 26. Juni 1998, S. 218 (PDF-Datei; 9,97 MB)
  3. Jörg Tremmel: Nachhaltigkeit als politische und analytische Kategorie. Der deutsche Diskurs um nachhaltige Entwicklung im Spiegel der Interessen der Akteure., München ; ökom, Ges. für Ökologische Kommunikation, 2003, ISBN 3-936581-14-2
  4.  VCI (Verband der Chemischen Industrie e.V.): Verantwortliches Handeln. Daten zur Sicherheit, Gesundheit, Umweltschutz. Ein deutscher Beitrag zum weltweiten Responsible Care-Programm der chemischen Industrie. Frankfurt/Main, 1996, zitiert nach: Karl-Werner Brand & Georg Jochum: Der deutsche Diskurs zu nachhaltiger Entwicklung. Abschlussbericht eines DFG-Projekts zum Thema Sustainable Development/Nachhaltige Entwicklung – Zur sozialen Konstruktion globaler Handlungskonzepte im Umweltdiskurs. Münchner Projektgruppe für Sozialforschung e.V., MPS-Text 1/2000.
  5. IFOK (Institut für Organisationskommunikation): Bausteine für ein zukunftsfähiges Deutschland. Diskursprojekt im Auftrag von VCI und IG Chemie-Papier-Keramik, Wiesbaden 1997
  6. Karl-Werner Brand & Georg Jochum: Der deutsche Diskurs zu nachhaltiger Entwicklung. Abschlussbericht eines DFG-Projekts zum Thema Sustainable Development/Nachhaltige Entwicklung – Zur sozialen Konstruktion globaler Handlungskonzepte im Umweltdiskurs. Münchner Projektgruppe für Sozialforschung e.V., MPS-Text 1/2000.
  7. SRU (Sachverständigenrat für Umweltfragen): Umweltgutachten 2008 - Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels. Berlin 2008, S. 56 (PDF-Datei; 7,94 MB)
  8. Stockmann, Reinhard (1996): Die Wirksamkeit der Entwicklungshilfe. Eine Evaluation der Nachhaltigkeit von Programmen und Projekten der Berufsbildung. Opladen: Westdeutscher Verlag, S.74-75
  9. Bericht der Bundesregierung zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
  10. Bundestag: Aktionsplan zur UN-Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (PDF-Datei; 303 kB)
  11. Sachverständigenrat für Umweltfragen: Umweltgutachten 2002. Für eine neue Vorreiterrolle, Stuttgart: Metzler-Poeschel, 2002. ISBN 3-8246-0666-6. (Bundestags-Drucksache 14/8792)
  12. Michael Kraack, Heinrich Pehle, Petra Zimmermann-Steinhart: Umweltintegration in der Europäischen Union. Das umweltpolitische Profil der EU im Politikfeldvergleich. Baden-Baden : Nomos, 2001 (Integration Europas und Ordnung der Weltwirtschaft Bd. 23) ISBN 3-7890-7623-6
  13. J. Jörissen, J. Kopfmüller, V. Brandl, M. Paetau: Ein integratives Konzept nachhaltiger Entwicklung Karlsruhe: Forschungszentrum Karlsruhe GmbH, 1999 (Technik und Umwelt, Wissenschaftliche Berichte FZKA 6393) (PDF-Datei; 911 kB)
  14.  Plan of Implementation of the World Summit on Sustainable Development, United Nations
  15.  WSSD: Plan of Implementation of the World Summit on Sustainable Development, (Chapter I, Art. 1), New York 2002
  16.  Alexandro Kleine: Operationalisierung einer Nachhaltigkeitsstrategie - Ökologie, Ökonomie und Soziales integrieren; Wiesbaden: Gabler 2009.